Diese Seite wurde erstellt mit freundlicher Genehmigung von "ZEO2" dem Umwelt-Magazin
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Basta

„Wetten, dass?“ von der Ökomafia gekauft

Gottschalk als neuer Sonnengott


PETER UNFRIED Unfried in der Kolumne "Basta" des Umwelt-Magazin "ZEO2" Heft 3/2010

 

Ich hätte nicht gedacht, dass die Oberschnarch- und Dauerwerbesendung "Wetten, dass?" außer Thomas Gottschalk noch irgendeinen Menschen begeistern kann. Schon gar nicht mich, denn ich bin ja bekanntlich anspruchsvoll. Und doch ist genau dies passiert. Dabei hat mein vollökologischer Bruder, der genau wie ich auch nie „Wetten, dass?“ guckt, bei fast jeder Sendung einen Herzkasper gekriegt. Das waren jene Momente, in denen der Herr Gottschalk an irgendwelche Gewinner Atom- und Kohlestrom-Gutscheine verloste sowie Autos, die Unmengen fossiler Energie verbrennen.

"Wir müssen die Schleichwerbung bei „Wetten, dass?“ übernehmen", schrie mein Bruder jedesmal, wenn er sich wieder eingekriegt hatte. Er werde einen grünen Zukunftsfonds über 50 Millionen Euro auflegen, um Harald Schmidt und Thomas Gottschalk zu kaufen, damit dort nur noch moderne, energieeffiziente Produkte präsentiert würden, mit denen die Zukunft der Menschheit angegangen und gesichert werden könne.

"Promis kaufen?", fragte ich besorgt. Ob er nicht lieber eine schöne Demo organisieren wolle. Mein Bruder schaute mich an, als ob ich ein Idiot sei. "Wetten, dass?" definiere nach wie vor den begehrenswerten Lebensstil für große Teile der Gesellschaft, erklärte er mir. Deshalb, so sein Diktum, müsse man genau dort die Hegemonie des Atomstroms und der Audi A 8-Großlimousinen brechen und ihr echte Klimakultur entgegensetzen. In der quotenträchtigen Sendung sollten künftig Solarenergie und Elektroautos für ein Massenpublikum präsentiert werden, und er werde das schon mal vorantreiben.

Träum' weiter, dachte ich.

Eines Tages wurde dann Michelle Hunziker als neue Assistentin von Gottschalk vorgestellt. Ich fand das für das ZDF schon sehr modern. Doch mein Bruder behauptete, er habe damit nichts zu tun. Aber dann saß ich eines Tages wieder ganz zufällig vor dem Fernseher und sah "Wetten, dass?". Ich schau das sonst ja nie. Und es war wieder so eine Sendung, in der eigentlich jemand als Hauptgewinn zwei Jahre lang gratis volles Rohr E.on-Atomstrom hätte bekommen müssen. Doch stattdessen kam ein Carport mit integrierter Solarstromanlage ins Bild, mit dem man sein Elektroauto aufladen kann. Dann rollte ein Auto auf die Bühne. Es war zwar kein Elektroauto, aber dafür der klitzekleinste Audi, den die Ingolstädter im Sortiment haben. Die Dieselversion stößt 103 Gramm CO2 aus.

Ich dachte erst, das sei jetzt "Versteckte Kamera" und alles werde sicher gleich mit großem Gelächter aufgelöst. Wurde es aber nicht. Gottschalk tat so, als sei es das Selbstverständlichste der Welt, dass man Erneuerbare Energie zuhause selbst produziert und damit seine Mobilität organisiert. Ist es ja auch. Ich habe keine Ahnung, was mein Bruder ihm gezahlt hat, aber es ist jeden Cent wert. Seit diesem Tag sehe ich es auch in einem ganz anderen Licht, dass Harald Schmidt nur noch zu einhundert Prozent recycelte Witze macht.

 

Quelle: Kolumne "Basta" des Umwelt-Magazin "ZEO2" Heft 3/2010

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