06.12.2025 | VCD-Magazin fairkehr fairkehr-Magazin 04/2025 | Bahn Internationale Zugreisen: Unterwegs mit zwei Apps und Gottvertrauen Eine Liebeserklärung – und die ernüchternde Frage, warum dafür heute Fachwissen, Nerven und mehrere Apps nötig sind. Plus ein Blick darauf, ob die EU das europäische Ticketchaos endlich in den Griff bekommt. Letztes Mal ging es an dieser Stelle um meine positiven Erfahrungen mit internationalen Fernbussen. Dazu erhielt ich Post von Freunden des internationalen Schienenverkehrs, die es nicht so gut finden, dass ich von Bussen schwärme. Sie bestehen zu Recht darauf, dass es doch die internationalen Züge seien, deren Ausbau es vehement zu fordern und zu fördern gelte. Ganz meine Meinung. Ich würde jederzeit lieber eine bezahlbare, verlässliche internationale Zugverbindung buchen als einen Bus. Um etwas anzugeben: Ich gehöre zu einer sehr kleinen Gruppe von Leuten, die Städte wie Amsterdam, Kopenhagen, Malmö, Prag, Stockholm, Warschau, Vilnius, Rom, Mailand, Bari, Wien, Lodz, Barcelona und viele andere Städte nicht nur einmal mit der Bahn angesteuert und erkundet haben. Darunter auch Belgrad, Skopje, Thessaloniki und Athen – aber das war, als es noch einen direkten Zug von München zur Akropolis gab. Will sagen: Ich liebe internationale Zugreisen und habe etwas Erfahrung mit entsprechenden Verbindungen; Wie man sie plant, wie man sie bucht, wie man einigermaßen akzeptable Preise dafür zahlt. Bahnreisen in Europa kann herrlich sein. Aber warum ist es dann so schwierig und teuer, wenn man nicht aufpasst? Und erfordert so viel Fachwissen? Fangen wir mit dem Problemfeld „Information“ an: Es gibt seit Neuestem eine günstigere Verbindung zwischen Brüssel und Paris als Alternative zum teuren Eurostar. Drei Hin- und Rückfahrten täglich mit dem Ouigo der SNCF. Kostet beispielsweise 40 Euro anstatt 100 Euro mit dem Eurostar. Diese Verbindung findet man nicht über die Bahn.de-Reiseplanung. Oft fehlt also schlicht die Info. Doch auch, wenn ich zufällig die Verbindung kenne, kann immer noch die Buchung Probleme machen: Den Ouigo kann ich bei der Deutschen Bahn natürlich auch nicht buchen, sondern nur bei der SNCF oder der Belgischen Bahn. Bedeutet: Für manche europäische Verbindungen braucht es zwei Tickets von zwei Unternehmen, zwei Apps samt Kreditkartenhinterlegung und Gottvertrauen. Denn hier sind wir schnell bei der Frage der Entschädigung, wenn was schiefgeht. Nehmen wir an, ich sitze im ICE nach Brüssel und der hat 30 Minuten Verspätung. Dann verpasse ich den Ouigo nach Paris, für den ich ein günstiges Ticket habe, und muss doch ein teures Eurostar-Ticket lösen. Und wer entschädigt mich für die Kosten? Leider noch nicht ganz geklärt. Nur EU-Gesetzgebung, die die europäischen Bahnunternehmen verpflichtet, besser zu kooperieren, wird die genannten Probleme lösen – wofür sich der VCD im Europäischen Fahrgastverband (EPF) einsetzt. Und so sieht es auch der größte Kenner der Materie, der Bahnexperte Jon Worth. Der hat neulich bei uns an der Uni über seine Reisen zu allen grenzüberschreitenden Bahnstrecken in Europa einen Vortrag gehalten, den Sie auf YouTube sehen können. Woran es wirklich liegt? Wer sich dafür interessiert, ist auf seiner Webseite jonworth.eu goldrichtig. Ich werde ihn für die nächste Kolumne fragen, wann die „Single Digital Booking and Ticketing Regulation (SDBTR)“ in der EU kommt. Und ob sie den Durchbruch bringt.■ Martin Unfried forscht an der Uni Maastricht zu europäischer Politik in Grenz­regionen. Er liebt Wärmepumpen, dynamische Strompreise, S-Pedelecs und seine Heimat, die Europäische Union. 06.12.2025 | Samstag | Das VCD-Magazin "fairkehr" | Kolumne fairkehrt 4/2025 | Internationale Zugreisen: Unterwegs mit zwei Apps und Gottvertrauen | Eine Liebeserklärung – und die ernüchternde Frage, warum dafür heute Fachwissen, Nerven und mehrere Apps nötig sind. Plus ein Blick darauf, ob die EU das europäische Ticketchaos endlich in den Griff bekommt. | Schlagworte: Zugreisen, internationaler Schienenverkehr, Problemfeld „Information“, Kooperation europäischer Bahnunternehmen, „Single Digital Booking and Ticketing Regulation (SDBTR)“ | Bio: https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Unfried https://www.vcd.org/artikel/unterwegs-mit-zwei-apps-und-gottvertrauen https://web.archive.org/web/20251215024412/https://www.vcd.org/artikel/unterwegs-mit-zwei-apps-und-gottvertrauen http://archive.today/2026.02.07-173651/https://www.vcd.org/artikel/unterwegs-mit-zwei-apps-und-gottvertrauen https://oekotainment.eu/archiv/html/internationale-zugreisen-unterwegs-mit-zwei-apps-und-gottvertrauen https://oekotainment.eu/20251206a https://oekotainment.eu/userspace/EXT/oekosex/archiv/pdf/20251206-fairkehrt4-2025-internationale_Zugreisen-unterwegs_mit_zwei_apps_und_gottvertrauen.txt