Opens external link in current windowJulian Nida-Rümelin und Opens external link in current windowMartin Unfried: Debatte über "Das Ende des [fossilen] Verbrennungsmotors"

Link zum Artikel Opens internal link in current windowDas Ende des Verbrennungsmotors von Martin Unfried

> Gesendet: Montag, 17. Oktober 2016
> Von: "Julian Nida-Rümelin"
> Betreff: Solarmethan / Solarwasserstoff

Sehr geehrter Herr Unfried,

auch ein mit Solarwasserstoff oder - besser - Solarmethan betriebener KFZ-Motor wäre ein Verbrennungsmotor und völlig klima-neutral, er könnte die vorhandene Gas-Infrastruktur weltweit nutzen, bedürfte (fast) keiner technologischen Veränderungen und hätte nicht die Problematik der KFZ-Batterie-Produktion und -entsorgung.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin. Seminar für Philosophie. Universität München.


> Gesendet: Mittwoch, 19. Oktober 2016
> Von: "Martin Unfried"
> Betreff: Re: Solarmethan / Solarwasserstoff

Sehr geehrter Herr Prof. Nida-Rümelin,

herzlichen Dank für den Hinweis „Solarmethan“, eine spannende Debatte. Ich bin jahrelange mit reinem Pflanzenöl gefahren aus regionalem Anbau. Das war noch kein Solarmethan und heute wissen, wir das es Biokraftstoffe nicht reißen werden. Tatsächlich ist die Frage, welche Rolle Solarmethan / Wasserstoff mit Verbrennungsmotoren spielen können. Da liegt das Problem wahrscheinlich in der Ineffizienz des Verbrennungsmotors. Deshalb ist er im PKW Bereich wohl eher in der Breite keine Lösung. Der Aufwand zur Produktion von Solarmethan / Wasserstoff ist einfach zu hoch, um die Effizienzverlust in Kauf zu nehmen, und nicht die Effizienzgewinne durch Elektromotoren zu realisieren. Das wichtigste Argument dabei: wir brauchen diese für den Flug- und Frachtverkehr, wo wir noch keine anderen technischen Lösungen kennen. Ich beziehe mich dabei auf auch auf neuere Berechnungen von Prof. Volker Quaschning zur Sektorkopplung. „Für den Flug- und Schiffverkehr lässt sich eine Dekarbonisierung kurzfristig nur durch den Einsatz von regenerativen Power-to-Liquid-Treibstoffen und den verfügbaren biogenen Treibstoffen erreichen.“ Damit allerdings dann der Bedarf an Erneuerbarem Strom nicht zu stark ansteigt, müssen im PKW Bereich die Effizienz die Möglichkeiten ausgeschöpft werden.“ Sie finden in seiner Kurzstudie interessante Überlegungen zum Thema. Er plädiert auch für ein Zulassungsende für PKW mit Verbrennungsmotoren:

http://pvspeicher.htw-berlin.de/wp-content/uploads/2016/05/HTW-2016-Sektorkopplungsstudie.pdf

Mit freundlichen Grüßen aus Maastricht

Martin Unfried.


> Gesendet: Donnerstag, 20. Oktober 2016
> Von: "Julian Nida-Rümelin"
> Betreff: Re: Solarmethan / Solarwasserstoff

Sehr geehrter Herr Unfried,

Danke für Ihre umgehende Antwort auf mein Bedenken!

Wie immer man die Potenziale einschätzt, jedenfalls wäre es m E falsch jetzt voreilig eine politische Festlegung gegen Verbrennungsmotoren ab 2030 vorzunehmen. Ich sehe die technologische Option (Solar-Methan) schon seit vielen Jahren optimistischer. Im Bereich Solarenergie sollten wir uns grundsätzlich von der sonst sinnvollen Energieeffizienz-Orientierung lösen, da die Sonnenenergie ausreichend und unerschöpflich zur Verfügung steht, die Relation Primärenergie - Nutzenergie daher so gut wie irrelevant ist. Vor allem aber, die Batterieproduktion und Entsorgung ist keineswegs ökologisch / energetisch unproblematisch. Heute ist die Energiebilanz von Elektro-KFZ ungüstiger als von Diesel KFZ! Mit Methan als Kraftstoff stünde die gesamte Gas-Infrastruktur weltweit schon bereit, Sonne als Primärenergie gibt es z B südlich von Europa im Überfluss das ganze Jahr über, Gas lässt sich zudem speichern, auch die - ausbausfähige - Infrastruktur steht schon bereit. Wer eine wirklich schnelle Umstellung auf einen klimaneutralen KFZ Verkehr anstrebt, darf diese Option m E nicht ausschließen. Jedenfalls darf sich die Umweltbewegung, nicht - wie im Falle der Kernenergie schon einmal in den 1960er Jahren geschehen - erneut vor den Karren einer Industrielobby spannen lassen. Die Elektromobilität bringt gegenwärtig zwar Umsatz aber keinen Vorteil hinsichtlich Ressourcenschonung und Klimaneutralität.

Ich weiß, dass das unterschiedlich eingeschätzt wird, würde mich aber freuen, wenn Sie diesen Gedankenaustausch zwischen uns (oder auch nur meinen Einwurf) als Diskussionsbeitrag über Ihren Verteiler zugänglich machten.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin

Staatsminister a. D.

www.julian.nida-ruemelin.de


* Wikipedia-Artikel zum Thema: Opens external link in current windowPower-to-Gas

* YouTube-Video der Öffentliche Sitzung Ausschusses für Wirtschaft und Energie: Opens external link in current windowhttps://www.youtube.com/watch?v=G3YuSEYkO6g

** Thema: Weichen für die ökologische Modernisierung der Wirtschaft stellen - Chancen des Klimaschutzes nutzen

** Zeit: Mittwoch, 19. Oktober 2016, 11 Uhr

** Ort: Paul-Löbe-Haus, Europasaal 4.900

** "Expertin: Klimaschutz birgt großes Potenzial für mehr Arbeitskräfte - Ausschuss 19.10.2016"

** https://www.bundestag.de/presse/pressemitteilungen/2016/-/474662

** http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/088/1808877.pdf

 


URL:http://oekotainment.eu/archiv/html/das-ende-des-verbrennungsmotors/debatte-ueber-das-ende-des-fossilen-verbrennungsmotors/