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Martin Unfried ist Dozent am Europäischen Institut für Öffentliche Verwaltung im niederländischen Maastricht und Autor mehrerer Kolumnen, darunter der "Ökosex"-Kolumne auf den Blogseiten der taz. Seit zwei Jahren ist er auch an der Universität Maastricht am Institut für grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Mobilität ITEM tätig
(Foto: Wikimedia Commons: User MOLGREEN)
Foto von Martin Unfried (Quelle: Wikimedia Commons: User MOLGREEN)

12.12.2017 | Dienstag | FUTURZWEI Nr. 3 | taz.futurzwei.org

Der Sion von Sono Motors

Ein Automobil mit 7,5 Quadratmetern Photovoltaikmodulen auf Dach und Karosserie ist für Solarfreaks wie mich ein lang gehegter Traum.

Bisher meinten jedoch viele Experten, das mache wenig Sinn, weil Aufwand und Stromertrag in keinem Verhältnis stünden. Doch jetzt haben drei Twentysomethings aus München die Idee zur Realität gemacht, mit Ökostrom aus der eigenen Steckdose (vielleicht sogar vom Hausdach) zu fahren und dann auch noch direkt per Autodach nachzuladen.

Das Start-up heißt Sono Motors. Mit Investoren und Crowdfunding haben die Unternehmer (zwei Männer, eine Frau) zwei Prototypen des Solarautos Sion bauen lassen, mit denen sie im Moment durch Europa touren, um Vorbestellungen einzusammeln. Kommen 5.000 zusammen, können Sie nach eigenen Angaben 2019 in die Produktion gehen.

Als ich in Düsseldorf am Steuer saß, war ich angenehm überrascht: Der Sion ist keine Kiste, sondern ein ganz normales Auto mit fünf Sitzen, geräumigem Kofferraum und Anhängerkupplung. Es fährt wie ein Elektroauto – leise und schnell beschleunigend. Auf dem Testgelände konnte ich lediglich bis zu 80 Kilometer pro Stunde schnell fahren, aber der Prototyp wirkt solide. Das Versprechen lautet: 250 Kilometer Reichweite bei einem Verbrauch von 13 Kilowattstunden pro 100 Kilometer.

Und jetzt die Emotion: An einem Sommertag sollen die Module bis zu 30 Kilometer Reichweite tanken. Ist das viel? Wenn es stimmt, ist das spektakulär. Es gibt tatsächlich viele Leute, die im ländlichen Raum nur 15 Kilometer zur Arbeit pendeln. Da wäre eine solche Solarreichweite genial.

Das ist, was Leute wie ich brauchen. Kein Design-Schnickschnack, kein avantgardistischer Innenraum wie im Elektro-BMW i3 und schon gar kein Luxus wie Tesla, dafür Standardteile aus dem Regal der Autozulieferer und über 300 Solarzellen auf Dach, Motorhaube und Türen. Wenn der Wagen tatsächlich 2019 für 20.000 Euro verkauft werden kann, wäre er so teuer wie ein etwas besser ausgestatteter VW Polo.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich zu oft von vielversprechenden Start-ups gehört habe, die nie über die Entwicklungsphase hinaus kamen. Aber Sono Motors ist eine Herausforderung der langweiligen Autoindustrie, die man unterstützen kann, indem man für 500 Euro einen Sion vorbestellt. Haben wir gemacht. Das Sion-Konzept ist so kühn, dass es zu schön wäre, wenn das klappt.

 

MARTIN UNFRIED

 

12.12.2017 | Dienstag | FUTURZWEI Nr. 3 | Seite 58 | taz.futurzwei.org | Magazin für Politik und Zukunft | Titelthema: WER KEINE VISIONEN HAT, SOLL ZUM ARZT GEHEN | Der Sion von Sono Motors | Ein Automobil mit 7,5 Quadratmetern Photovoltaikmodulen auf Dach und Karosserie ist für Solarfreaks wie mich ein lang gehegter Traum. | Bio: de.wikipedia.org/wiki/Martin_Unfried

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