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07.03.2026 | Samastag | Das VCD-Magazin "fairkehr" | Kolumne fairkehrt 1/2026

Fett, fetter, Fatbikes

Erst die guten Nachrichten aus den Benelux-Ländern: Es gibt ja besonders in NRW viele Liebhaber*innen der belgischen und niederländischen Küste. In Belgien möchte die Regierung eine Autobahnvignette einführen, die nach ersten Plänen so um die 100 Euro kosten soll. Das ist doch toll: Da könnte der Zug nach Ostende in Zukunft eine gute Alternative zum Auto sein!

Und die zweite gute Nachricht: In den Niederlanden bleibt es tagsüber bei 100 km/h Höchstgeschwindigkeit auf unseren schönen Autobahnen. Schneller wird’s nicht, sagt die neue Koalition. Da beginnt der Urlaub hinter Aachen so richtig entspannt, wenn der Tempomat eingeschaltet ist.

Für alle, die es nicht mitbekommen haben: In den Niederlanden haben drei Parteien neulich einen Koalitionsvertrag präsentiert und wollen als Minderheitsregierung loslegen. Die Rechtsradikalen von Geert Wilders, die bisher für Chaos gesorgt hatten, sind nicht mehr dabei. Ministerpräsident wird Rob Jetten, ein junger Liberaler der Partei D66. Diese setzt sich für Klimaschutz und Nachhaltigkeit ein und ist eine Art grüne Partei der Mitte, vergleichbar mit den Grünen in Baden-Württemberg. Und auch Rob Jetten muss mit Parteien koalieren, die den Klimaschutz gerne mal blockieren.

Tut sich also Hoffnungsvolles im Verkehrsbereich? Eigentlich wollten einige Parteien in NL schon längst eine Reform der Kfz-Steuer, nämlich eine Umstellung hin zum Bezahlen pro Kilometer. Pläne dafür liegen seit Jahren in den Schubladen. Die Partei D66 des neuen Ministerpräsidenten wollte sogar gestaffelte Preise, je nach zeitlicher Auslastung einer Strecke und zur besseren Verkehrssteuerung. Dabei könnte Fahren in Ballungsräumen teurer sein als auf dem Land, morgens um 7 Uhr teurer als nachts um 3 Uhr. Super Idee, kommt aber wohl doch nicht.

Dafür wird die Regierung untersuchen, ob es möglich ist, Autos nach Flächenverbrauch unterschiedlich zu besteuern. Kann man machen. Der VCD plädiert ja dafür, dass in Deutschland wegen der SUVSchwemme auch das Gewicht der Wagen mitentscheidet. Je schwerer, desto teurer! Das wiederum ist schon heute so bei uns in NL. Wobei das jetzt ein Problem ist wegen der schweren Batterien unserer zahlreichen Elektroautos. Die sollten nämlich aus Klimagründen nicht höher besteuert werden als Verbrenner.

Merke: In Sachen „neue Probleme“ sind wir in den Niederlanden immer einen Schritt voraus. Das gilt auch für einen Aufreger im Verkehrsbereich, der in Deutschland erst noch verstärkt auftauchen wird. Sein Name: „Fatbike“. Wer es nicht weiß: Fatbikes sind die SUVs unter den E-Bikes. Sie sehen aus wie kleine Motorräder, haben dicke Reifen, und werden oft so frisiert, dass sie locker 40 km/h fahren können – auch ganz ohne Treten.

Jedes Mal, wenn mich ein 12-Jähriger mit seinem Fatbike auf dem Fahrradweg überholt, zucke ich zusammen. Und die Leute in der Notaufnahme auch, wenn wieder einer eingeliefert wird. Fatbikes werden bestimmt auch in Deutschland ein Megatrend. Man braucht bisher dafür kein Kennzeichen und keinen Führerschein, die chinesischen Fahrgeräte sind super billig und es gilt keine Helmpflicht. Was für die Frisur der Teenager natürlich besonders vorteilhaft ist.

Wie will nun unsere neue Regierung die Fatbike-Krise angehen? Mit einer eigenen E-Bike-Kategorie: Es soll Helmpflicht und eine Altersbeschränkung geben, was rechtlich anscheinend nicht einfach wird. Aufgepasst: Am Niederrhein ist laut Lokalpresse die Fatbike-Welle schon nach NRW rübergeschwappt.■

 

Martin Unfried forscht an der Uni Maastricht zu europäischer Politik in Grenzregionen. Er liebt Wärmepumpen, dynamische Strompreise, S-Pedelecs und seine Heimat, die Europäische Union.

 

Erstveröffentlichung: www.vcd.org/magazin-1-2026

07.03.2026 | Samastag | Das VCD-Magazin "fairkehr" | Kolumne fairkehrt 1/2026 | Fett, fetter, Fatbikes | Schlagworte: Klimaschutz in den Niederlanden, Fatbikes | Bio: https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Unfried

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PDF-Version der Erstveröffentlichung auf www.vcd.org

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